Nicht nur Costa-Kreuzfahrtschiffe haben Probleme

»Costa Concordia« am 13. Januar, »Costa Allegra« am 27. Februar: Das Jahr 2012 ist gerade einmal zwei Monate alt und schon sind zwei große Kreuzfahrtschiffe havariert. Wie viele Passagierschiffe in dieser Zeit wegen Sicherheitsmängeln bereits in den Häfen an die Kette gelegt wurden, ist schwer recherchierbar. Aber allein im Januar hielten Hafenbehörden in schwedischen Häfen zwei Ostseefähren fest: Die »DFDS Liverpool Seaways« am 19. Januar in Karlshamn [1][2] und die »Stena Feronia« am 23. Januar in Karlskrona. [3]

Auf der »DFDS Liverpool Seaways« hätten die Passagiere im Notfall vier Meter in die Tiefe springen müssen, um in ein Rettungsboot zu kommen. Das Besatzungsmitglied, das im Seenotfall am Funkgerät sitzen soll, hatte nach dem Katastrophenplan noch andere Pflichten und hätte den lebenswichtigen Funkverkehr gar nicht aufrecht erhalten können.

Auch auf der »Stena Feronia« wäre es schwer gewesen, in die Rettungsboote zu gelangen, weil die Einstiegsleitern zu kurz waren. Außerdem fehlten Leitstangen und Geländer. Rettungsausrüstungen wären bei einem Brand unerreichbar gewesen.

Überhaupt war es um die Brandsicherheit bei beiden Schiffen schlecht bestellt. Die Brandschutztüren funktionierten nicht und die Fluchtwege waren blockiert.

Es gibt internationale Sicherheitsvorschriften für Passagierschiffe, die die Internationale Maritime Organisation der UNO festschreibt. Die werden laufend neu zwischen den Staaten verhandelt – und die einigen sich immer nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Dazu gehören beispielsweise Rettungsboote an komplizierten Aufhängevorrichtungen, die sich seit hundert Jahren nicht wesentlich geändert haben und deren Bedienung sehr gut eingeübt werden muss.

Obwohl Rettungsausrüstungen nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtkosten eines Schiffsneubaus ausmachen, sparen die Reedereien hier. Selbst der Wartung der vorhandenen Rettungsmittel nehmen Besatzungen und Reedereien offenbar zu oft auf die leichte Schulter.

Dabei gibt es inzwischen zahlreiche technische Neuerungen, die den Seenotfall effizienter verhindern oder bei einer Katastrophe zumindest das Ausmaß begrenzen können. Aber sie werden nicht eingesetzt, weil sie nicht vorgeschrieben sind:

– Es geht sicherer (Technology Review 3/2012)
– Schiff wird zum Rettungsboot (Welt am Sonntag, 2005-05-15).

Allerdings: Gegen Kapitäne wie Francesco Schettino von der »Costa Concordia« hilft auch die beste Technik nichts.

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