Vietnam: Nam Chau in Mui Ne

Der Wind bläst seit unserer Ankunft in Mui Ne am 6. Februar mit vielleicht sechs konstanten Windstärken vom Ostchinesischen Meer über das kleine Hüttendorf am Strand. Weiße Schaumkronen so weit das Auge reicht und ganz beachtliche Wellen, die in immer gleichem Rhythmus wild schäumend an den Strand rollen.

Nur nachts schläft der Wind ein. Dann sieht man weit draußen auf dem Meer zahlreiche Fischerboote, die mit gleißenden Strahlern Fische anlocken. Eine sicherlich nicht ganz faire Fischereimethode. Darüber wölbt sich der tropische Sternenhimmel mit seiner flimmernden Milchstraße, die so klar in nördlicheren Breiten kaum zu erleben ist.

Das 1000-Sterne-Hotel Nam Chau, wie es mein Freund De genannt hat, ist ein einfaches Touristenressort mit Bambushütten unter Schilfdächern. Zahlreiche junge Palmen und ein paar Bananenpflanzen schützen vor der brennenden Sonne. Es ist heiß. Aber der Seewind streicht angenehm kühlend über die Haut. Sicherlich nicht ungefährlich für die, die sich ungeschützt am kilometerlangen Strand bräunen wollen.

Nam Chau in Mui Ne Vietnam
Nam Chau in Mui Ne, Vietnam

Beiderseits des Hüttendorfes liegen die exklusiveren, teureren Touristenressorts, mit Swimmingpool und teils zweistöckigen Ferienhäusern. Vor allem Russen bevorzugen diese eng stehenden, meist um die Pool-Erlebnislandschaft mit Bar gruppierten Häuser. Angeblich bieten sie mehr Luxus und Komfort, sind aber nichts gegen die luftigen Hütten und den Palmenhain unseres sehr vietnamesischen Fleckens Erde mit seinem kleinen Lotusblumenteich in der Mitte.

Von der Terrasse unserer Hütte blicken wir direkt auf das schäumende Meer. Geschützt durch die Palmen ist hier nur noch ein leichter, angenehm kühlender Luftzug zu spüren. Fast scheint es, als wären wir im Paradies.

Außer unserer kleinen Reisegruppe von sieben Leuten scheint es keine weiteren Gäste zu geben. Diese Ruhe ist für uns natürlich schön. Für den Hüttendorfbesitzer aber nicht. Er und die vielen Helfer in Küche, Restaurant, Garten und als Wachleute spüren die Auswirkungen der Finanzkrise in den reichen Ländern ganz unmittelbar. Die Zahl der Übernachtungen ist gegenüber dem vergangenen Jahr um die Hälfte eingebrochen.

Gestern waren wir wieder ein paar Stunden mit dem Motorrad unterwegs und erkundeten den Fischerort Mui Ne, kauften Frühlingsrollen und Bananen in der quirligen Hauptstraße und fuhren ein Stück den Berg hinauf, um den Hafen mit seinen Booten in ganzer, romantischer Größe zu überblicken. Zuvor hatten wir uns verfahren und landeten direkt am Strand bei den Booten — und der war weniger romantisch, sondern übersät mit Unrat, Plastik-, Motoren- und Fischabfällen.

Die Halbinsel Mui Ne ist weitgehend Wüste. Bis zum Horizont erstrecken sich landeinwärts Sanddünen, die aber erstaunlich dicht mit Dornengestrüpp und vereinzelten Bäumen bewachsen sind. In der Nähe des Ortes trafen wir auf ein Dünenfeld, das voller Gräber war, die ohne sichtbare Ordnung einzeln in den Sand gesetzt waren. Neben vielen weithin sichtbaren, monumentalen und bunt angemalten Grabstätten, von denen ein paar schon zu Ruinen verfallen waren, wölbten sich zahlreiche kleine, unauffällige Steinhügel über den Sand, an denen beschriftete Steintafeln oder Holzschilder die Toten benannten. Ob unter allen diesen Gräbern wirklich Tote lagen, ist nicht sicher, denn die Vietnamesen errichten auch Gedenkstätten auf dieselbe Weise, beispielsweise für Gefallene im Vietnam-Krieg oder ertrunkene Fischer.

Die Küstenstraße noch Norden zieht sich zig Kilometer entlang des menschenleeren Sandstrandes unterhalb der Dünen. Aus den Dünen lugte ab und zu eine Hütte hervor, ein Bauer trieb ein paar braune Rinder mit dem Moped vor sich her. Hier gab es keine Touristenressorts und keine Straßenrestaurants mehr. Nur Sand, Sand und Meer.

Küste in Südvietnam bei Mui Ne
Küste in Südvietnam bei Mui Ne

Das vietnamesische Essen am Abend in dem einfachen Hüttendorfrestaurant schmeckte hervorragend. Fisch, Fleisch, Reis und viel Gemüse — ersteres und letzteres bekanntermaßen nicht so sehr mein Geschmack. Danach die abendliche Flasche Wein und das obligatorische Saigon-Bier. Als die anderen sich schon in ihre Hütten zurück gezogen hatten, saßen wir noch lange auf der Strandmauer und schauten auf das brausende Meer, die Lichter der Fischerboote am Horizont und in den Sternenhimmel, von dem sich irgendwann sogar eine Sternschnuppe löste.


Morgen geht es zurück nach Saigon.


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