Welt-Klimakonferenz Hamburg 2015

Kiribati also. Das ist einer der Inselstaaten im Pazifik, der wohl in den nächsten 50 bis 60 Jahren untergehen wird. Als vierköpfige Delegation des Staates Kiribati sollten wir bei der Welt-Klimakonferenz Hamburg 2015 das Beste herausholen. An dem Tag, der auch der letzte der echten Welt-Klimakonferenz in Paris war, die an diesem Abend aber bereits in die Verlängerung gegangen war.

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll. Auf dem Foto von links: Dr. Florian Rauser, Dr. Satya Bhowmik, Dr. Schirin Fathi, Dr. Sabine Hain, Dr. Bernd Hezel, Ana Soliz Landivar de Stange © Saskia Seifert / Kunstschule Wandsbek.
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll. Auf dem Foto von links: Dr. Florian Rauser, Dr. Satya Bhowmik, Dr. Schirin Fathi, Dr. Sabine Hain, Dr. Bernd Hezel, Ana Soliz Landivar de Stange © Saskia Seifert / Kunstschule Wandsbek.

18 Experten beraten Delegationen

700 »Delegierte« aus 195 Staaten der Welt saßen am 11. Dezember 2015 im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und ließen sich sechs  Klimaexperten aus Wissenschaft und Politik über die neueste Entwicklung des Weltklimas informieren. Dazu gehörte  die graue Eminenz der deutschen Klimaforschung, Hartmut Graßl, langjähriger Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, in den 1990er Jahren Direktor des Weltklimaforschungsprogramms bei der Welt-Meteorologieorganisation der UNO in Genf. Mit dabei auch Mojib Latif, Ozeanograph und Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und Rosemarie Benndorf, gelernte Obstgärtnerin, studierte Meteorologin und Mitglied der deutschen Delegation bei den Welt-Klimakonferenzen 2000 bis 2011. Insgesamt 18 hochrangige Experten aus Natur- und Kulturwissenschaften, aus Politik und Wirtschaft waren aus halb Deutschland angereist, um den Delegationen zu helfen, einen Klimakompromiss zu finden, der die Welt vor dem Wärmetod retten könnte.

Das Wissen der Experten legte die Grundlage für die nachfolgenden Meetings, Coachings und bilateralen Gespräche, zu denen die Delegierten im 20-Minuten-Rhythmus immer wieder andere Konferenzräume im Schauspielhaus ansteuerten.

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: Publikum bei der Produktion »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll © Saskia Seifert / Kunstschule Wandsbek
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: Publikum bei der Produktion »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll © Saskia Seifert / Kunstschule Wandsbek

Ein bilaterales Gespräch

Für uns, die Delegation von Kiribati, war ein bilaterales Gespräch mit der Delegation von Turkmenistan angesetzt. Aber worüber können sich Vertreter eines Landes, das in ein paar Jahrzehnten von der Weltkarte verschwunden ist, mit der Delegation eines zwar sehr armen, unter Wassermangel leidenden Landes unterhalten, dessen Hoffnung auf eine bessere Zukunft auf seinen bisher nicht ausgebeutete Öl- und Gasreserven liegen?

Coaching

Die Entwicklungsländer hätten in den vergangenen 20 Jahren immer wieder darin versagt, ihre Forderungen durchzusetzen. Schließlich hätte jedes von ihnen, genau wie die reichen Staaten, eine Stimme gehabt, mit der sie hätten Druck ausübern können. So Toralf Staud, Journalist, Autor von »Wir Klimaretter. So ist die Wende noch zu schaffen« und Mitbegründer von »klimaretter.info«, der als als Coach und Einpeitscher für die Delegierten der Entwicklungsländer fungierte. Deren Delegationen saßen dicht gedrängt wie auf Hühnerleitern in der dunklen Hinterbühne des Schauspielhauses und schauten auf Hauptbühne, die Sonnenseite der Erde. Dort ließen es sich die Delegierten der reichen Länder in Liegestühlen und mit Kopfhörern auf den Ohren entspannt unter den großen Bühnenscheinwerfern gut gehen.

Auf der Sonnenseite Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll. Auf dem Foto: Dr. Vera Schemann © Visarut Namsiripongphan / Kunstschule Wandsbek
Auf der Sonnenseite
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll. Auf dem Foto: Dr. Vera Schemann © Visarut Namsiripongphan / Kunstschule Wandsbek

Vor der Schlusskonferenz gaben alle Delegationen ihre Zusagen ab, wieviel CO2 ihre Staaten einsparen, wieviel Geld sie in den grünen Klimafundus, den Green Climate Fund, einzahlen und ob sie Geld aus dem Fundus beantragen wollen. die Präsentation der Daten zeigte, dass die 700 Delegierten in Hamburg sehr wohl bereit waren, die Klimaerwärmung nachhaltig zu reduzieren. Die Konferenz war in dieser Hinsicht noch erfolgreicher als das Pariser Vorbild. Was allerdings wie in Paris offen blieb, waren Umsetzungs- und Kontrollregeln.

Bericht aus Paris

In einer Lifeschalte berichtete der Journalist Nick Reimers, ebenfalls ein Mitbegründer von »klimaretter.info«, vom Stand der Verhandlungen bei der Welt-Klimakonferenz COP21 in Paris. Eindrücklich zeigte der Moderator dazu, wie viele strittige Wort- und Satzformulierungen im Entwurf Pariser Abschlusserklärung noch mit bunten Klammern markiert waren.

Zielgruppe erreicht

Es war das vierte Mal, dass die Hamburger Gelegenheit hatte, am eigenen Leib zu erfahren, wie es auf einer Welt-Klimakonferenz zugeht und welche zum Teil erheblichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aspekte derartige Verhandlungen bestimmen. Den 2.800 überwiegend jungen Menschen konnte die Inszenierung eine Ahnung von der Komplexität der physikalischen und chemischen Zusammenhange des Lebenserhaltungssystems Erde vermitteln. Geichzeitig zeigte sie aber auch, wie kompliziert globale menschliche Zusammenhänge und Situationen jenseits lokalen Handelns sind, die es so schwer machen, gemeinsame Ziele auszuhandeln.

Inszeniert wurde die organisatorische und inhaltliche Meisterleistung vom Regietrio »Rimini Protokoll« mit Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel.

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll © Benno Tobler
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll © Benno Tobler

Weitere Informationen auf der Seite des Deutschen Schauspielhauses:
http://schauspielhaus.de/de_DE/kalender/welt_klimakonferenz.12287278 

Das Konzept mit Filmen der Veranstaltungen findet sich auch auf den Seiten von »Rimini Projekt«:
http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_6528.html 

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